Lydia Benecke – Auf dünnem Eis

+++TW: Gewalt (aller Arten), Manipulation, Mord+++

9783785760956

ISBN: 9783785760956

Klappentext: Ein faszinierender Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Auf dünnem Eis befinden wir uns, wenn wir Mörder, brutale Vergewaltiger, Profikiller oder eiskalte Psychopathen als “böse” abstempeln und weit von uns schieben. Lydia Benecke rekonstruiert grausame Verbrechen, erzählt von echten Fällen aus ihrer eigenen Praxis und wirft die hoch spannende Frage auf: Wie viel davon steckt in jedem von uns?

Zusammenfassung: In verschiedenen, klar umrissenen Kapiteln konfrontiert Lydia die LeserIn mit dem “Bösen” welches in der Welt anzutreffen ist. Im besonderen geht es um Psychopathen, Menschen die nach anderen Regeln spielen als “normale” Menschen. Zentral die Frage: was braucht es, damit ein Mensch mit psychopathischen Zügen kriminell wird? Wie bestimmt man wie psychopathisch jemand ist? Was ist die Motivation von Serientätern? Welche Gemeinsamkeiten hat man als LeserIn mit ebensolchen Menschen?

Sie erwähnt das durchaus bekannte Stanford Prison Experiment als Beispiel der Forschung auf diesem Gebiet. (Sehr guter TED-Vortrag von Philip Zimbardo dazu. Achtung sehr bilderlastig!) Sehr spannend auch die Interview-Zitate von ihren mittel-hochpsychopathischen Interviewpartnern, die bisher jedoch nicht kriminell wurden und dies auch nicht vor haben.

Bewertung: Ich habe das Buch fast verschlungen. Das lag einerseits am faszinierenden Thema, andererseits an Lydias sehr differenzierter Beschreibung inklusive vieler Denkanstösse zur Selbstreflexion. Die Motivation fremder Menschen mit völlig anderem Denkmuster dargelegt zu bekommen ist spannend und meiner Meinung nach erweitert es den Horizont. Sehr empfehlenswertes Buch besonders für Menschen, die die schwarz-weiss/gut-böse Illusion hinterfragen möchten.
Es ist einfach geschrieben und nicht als Fachliteratur gedacht, eher eine Einführung in das Thema. Wer sich noch unsicher ist oder nach dem Lesen noch mehr von Lydia hören möchte, der empfehle ich die Hoaxilla Folgen mit ihr.

LeseratteLeseratteLeseratteLeseratteLeseratte
5/5 Leseratten

flattr this!

Stephen King – Doctor Sleep

doctor-sleep-cover

ISBN: 9781444761191

Blurb: Following a childhood haunted by terrifying events at the overlook hotel, Danny Torrance has been drifting for decades. Finally, he settles into a job at a nursing home where he draws on his remnant ‘shining’ power to help people pass on. Then he meets Abra Stone, a young girl with the brightest shining ever seen. But her gift is attracting a tribe of paranormals. They may look harmless, old and devoted to their Recreational Vehicles, but the True Knot lives off the ‘steam’ that children like Abra produce. Now Dan must confront his old demons as he battles for Abra’s soul and survival…

Synopsis: The book is supposed to be the sequel of ‘The Shining’, which I only found out afterwards. So don’t worry if you didn’t read it. Half of the book has nothing to do with Abra, but Dan Torrance. This is no loss though because he has a wonderful character story and growth which is needed in my view. It all starts with gruesome childhood memories of his, which draw out his path of life. While travelling the United States due to his fruitless attempt to escape those memories he discovers many sides of himself and looks into the abyss. When he finally settles down in Frazier, after a traumatic event, he gets some unexpected help by Billy Freeman, which grows to be a good friend in the next 10 years. Dan gets sober and uses his shining to help people at the hospice when they die.
All this changes, when Abra needs help and Dan sences, that he has to be her friend and mentor like Dick Halloran was to him when he was a child and didn’t know how to handle his shining. They communicate telepathicly and via mail until the danger gets too big. Dan asks John, Abras paediatrician and common acquaintance, for a favor to help Abra. It’s a race against time as the paranormals try to find Abra. More problems arise when they finally let Abras father in on the secret and the final battle is prepared.

Valuation: I liked the melancholic and realistic feel of the characters against the supernatural things that happen. Dan Torrance is a hero in disguise. Abra on the  other side is a naive, sheltered white girl who’s only abnormality is a strong “Shining” and she learns and struggles along the way. The side characters are divers and interesting, not to smooth, not too overdefined. All in all an entertaining read.
56a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x156a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x156a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x156a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x1
4/5 rats

flattr this!

Woche 94 – Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn…

… oder in diesem Fall: ich die richtigen Multilple-Choice Antworten. Bestanden und auf ins zweite Jahr. Und weil die Prüfungen im Juni ja sooooo schön waren, habe ich letzte Wochen angefangen Neuroanatomie zu lesen und zusammen zu fassen. Sind ja nur noch 7 Wochen bis zum Semesterbeginn *räusper*. Eigentlich wollte ich in den Ferien ja andere Bücher lesen. Aber ich habe ja noch 7 Wochen Zeit =). Ausserdem gehe ich zum ersten Mal alleine in die Ferien. Deprimierend irgendwie, dass ich erst so alt werden musste. Aber das Ticket ist gebucht, die zu besuchenden Leute benachrichtigt, jetzt muss nur noch die deutsche Bahn mitspielen. Und falls nicht kann ich in der Zeit ja die Freizeitliteratur konsumieren. Oder Listen machen, was ich für das 3. (/12 T_T) alles brauche. Stethoskop habe ich ja schon (ideal um die Schwester zu schockieren in untypisch-Sara-Farbe: Violett – kann auch nichts dafür, dass Littman nur “karibikblau” und kein anständiges Petrol anbietet), Sezierset dito, fehlt eigentlich nur ein Reflexhammer, den wir aber genau 1 x brauchen werden: kaufe keinen, ich nehme Bierflaschen.

flattr this!

Mein erster Tod

Ich hab schon einiges mitbekommen seit ich im Frühling ’12 mit dem Praktikum angefangen habe. Habe viele Patienten kommen und gehen gesehen, mit und ohne Hoffnung. Aber ich war nie wirklich dabei, wenn es darum ging ein letztes Mal den Körper zu Pflegen, wenn der Mensch schon gestorben ist. Beim letzten Nachtdienst war es dann so weit.
Es war ein chirurgischer Patient, unerwartet, aber doch nicht sehr überraschend mit seinem hohen Alter.
Es ging eine Weile, bis wir wirklich so weit waren, denn die Ärzte mussten den Tod noch bestätigen. Nachdem sie gegangen waren, holten wir zwei neue Leintücher, eine Kinnklemme und dieser Klischee-Zettel für den Zeh. Ich durfte den Venflon (Venenkanüle, meist im Arm) ziehen. Zum Glück konnte ich das auslaufende Blut noch rechtzeitig auffangen, bevor er das frische Leintuch getränkt wurde. Die Diplomierte machte dann noch einen kleinen Druckverband, bevor wir den Patienten dann zudeckten und runter brachten in den Kühlraum. Gleich vor dem Kühlraum mussten wir die Patientin nochmals “umbetten” auf eine Liege aus Stahl, welche einen Abfluss hat. Das geschieht mittels eines Rollbrettes. Auch hier wieder hat man oben und unten ein Leintuch. Es ist ein komisches Gefühl einen Menschen, der ein paar Stunden vorher noch geatmet hat steif, mit Totenflecken, kühl auf dem Metall liegen zu sehen, getrennt nur von einem dünnen Tuch. Während der ganzen Zeit hat die Diplomierte mit dem Patienten geredet, jede Bewegung war vorsichtig, als hätten wir eine normale Körperpflege gemacht.
Das letzte Zudecken war eine Art stilles Abschied nehmen.

flattr this!

Rabenhirn S. 1-20

Sie seufzte, als sie das Buch zuschlug. Müde packte sie den Rest ihrer Chemie Unterlagen zusammen und stand auf. Als Charlene die hölzerne Flügeltüre der Bibliothek aufstiess, stöhnte sie. Es regnete, und das ziemlich heftig. Aber es hätte sie nicht wundern sollen. So war das Wetter in Edinburgh im Herbst nun mal. Schnell zog sie die Kapuze ihrer Jacke über die Haare und lief los. Noch eine viertel Stunde, bis ihre Schicht begann.

Leicht durchnässt erreichte Charlene das Café, in dem sie ab und zu aushalf. Als sie rein kam, beschlugen ihre Brillengläser. Deshalb stiess sie ihre Hüfte an der Theke, als sie sich an Benjamins Rollstuhl vorbei schob, um ins Büro zu kommen. Dort stellte sie ihre Tasche ab und streckte sich erst mal. Nachdem sie ihre Jacke aufgehängt hatte, zog sie sich ihre Schürze über und nahm ihre Haare so zusammen, dass man ihren Sidecut nicht sah. Ein prüfender Blick in den Spiegel und dann ging sie wieder raus.
„Ben, was kann ich übernehmen?“
„Ich mach noch diese Bestellung fertig, übernimm doch bitte die nächste. Und nochmals danke, dass du einspringen konntest.“
Er lächelte sie dankbar an.
„Keine Ursache“, gab sie zurück, als sie zur Kasse ging. „Aber später musst du mir erzählen, wieso ich hier bin.“
„Charly, da gibt es nichts. Elle ist nur krank geworden, das ist alles. Es steckt nicht immer eine Geschichte hinter allem.“

Rabenhirn1-20 PDF

flattr this!

Woche 82 – Ärzte und das gesunde Leben

Ich habe diese Woche Sport gemacht. Nicht viel, aber ein Anfang. Gejoggt, insgesammt 1.5h, 10.5km. Irgendwo muss man anfangen. (Und habe sogar das Ziel des Laufplans für Einsteiger erreicht.)
Ich habe diese Woche geweint. Mich mal wieder gefragt, was das alles soll. An Freunde gedacht, die BurnOut, Depressionen oder schlichtweg den Anschiss wegen dem vielen Lernstoff haben.
Ich habe diese Woche einen Lern/Sportplan gemacht  – und bin dem Sporttechnisch fast nachgekommen, lerntechnisch gilt es nächste Woche aufzuholen. Die Keimscheibenbildung scheint einfach nichts so meins zu sein.

Auf gut Deutsch, es läuft nicht ideal, aber es läuft. Ausserdem merke ich wie viel das Studium helfen kann, wenn man es ernst nimmt. Ergo mache ich Sport – und fühle mich besser. Versuche mehr Gemüse zu essen, weniger Fleisch und allg. tierische, fettige Produkte. Lieber lecker Avocado *nomnomnom* Nur das Salz reduzieren wird wohl je meins. Eigentlich krass wie viele MedizinerInnen (bei mir aka: Leute im Gesundheitsbereich) rauchen, saufen, “fastfooden” etc. Jemand erwähnte das habe jemand psychologisch mit Distanzierung erklärt (sry, weiss nicht mehr wer). Finde ich interessant. Bei uns ist auf Station spannend, dass AAs damit anfangen, damit sie ab und zu 5 min. Pause machen können.  Aufhören tun eher Krankenschwestern, meist weil sie schwanger sind/werden wollen. Löblich. Ich hoffe, dass mein Verhalten mit der Zeit auch löblicher wird =).

flattr this!

Die Wolke aus schwarzen Fragezeichen I

[Disclaimer: Triggerwarnung wäre wohl angebracht und ich nutze das hier jetzt mal um meine Gedanken zu sammeln und zu ordnen.]

Alles “begann” mit einer Aussage von jemandem der mich nicht kennt.
Vor ~1 mnt.

Und jetzt sitz ich hier, still, abwechselnd mit Schnapp-Atmung oder stillen Tränen.
Und ich weiss nicht wieso. Weisses Rauschen, das vor lauter Druck weisses Rauschen in den Ohren wird. Sie pfeiffen. Mir ist schwindelig vor lauter Gedanken die ich nicht fassen kann, nicht mal weiss ob ich sie fassen will, denn ich weiss was ich von der Welt halte. Weil ich weiss, was ich von mir halte und mich sonst Schuldgefühle überrollen. Eine Welle die mich nach unten zieht, mir auf die Brust drückt. Kontrollverlust par excellence quasi.

[to be continued]

flattr this!

Robert J. Sawyer – Triggers

Bookcover Triggers by Robert J. Sawyer

Bookcover Triggers by Robert J. Sawyer

ISBN: 978-0575129610

Blurb: On the eve of a secret military operation, an assassin’s bullet strikes the US president. He is rushed to the nearest hospital, where a team of surgeons struggle to save his life.

At the same hospital, Prof. Ranjip Singh is experimenting with a device that can erase traumatic memories.

Then a terrorist bomb detonates. In the operating room, the President suffers cardiac arrest. He has a near-death experience – but the memories that flash through his mind are not his own…

The electromagnetic pulse generated by the bomb has amplified and scramblet Prof. Singh’s equipment, allowing a random group of people from within the hospital access to one another’s

minds. And now one of those people can recall the President’s memories – including classified information regarding the upcoming military mission which, if revealed, could cost countless lives.

But the task of determining who has switched memories with whom is a daunting one – particularly as some of the people involved have something deadly to hide…

Valuation: I do love science fiction but I’m not too fond of space science-fiction. That’s why I’ve gone straight for another Robert J. Sawyer book, since I knew I enjoyed his WWW triology. This novel is not too sciency but as in WWW he tells the story from many points of view without making it too unpersonal. The plot sounds a bit trashy on the blurb, but it’s actually very satisfying and refined in the book for my taste. He mentiones some cultural problems and added some philosophical thoughts. The characters were believable as well as their actions. I enjoyed the dynamic of the storyline, the big bang, the dangling nothingness, a slow climb to knowledge and the interesting change of pace. It also helps that the changes are triggered by different people. It is not very sciency though and the end leaves some questions wide open, especially since the world Robert J. Sawyer imagined is probably an adults-only.

Conclusion: Worth the read. Nice brain teaser and interesting social perspectives and experiences, although only mentioned briefly.

56a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x156a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x156a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x156a9da700dfa986e13e076e33f9f1c4b.948x712x1
4/5 Rats

flattr this!

Woche 78 – Haushalt und Uni

Jetzt bin ich schon 78 Wochen an der Uni, allerdings muss ich das erste Jahr wiederholen. Momentan ist ausmisten angesagt, damit ich besser ins nächste Jahr starten kann. Jetzt habe ich noch Zeit. Mein Freund und ich haben schon etliche Müllsäcke gefüllt. Es braucht aber einiges an Disziplin – was ich mir noch aneigne – Sperrmüll zeitnah wegzubringen. Was ich auch noch brauche ist eine bestimmte Routine was Abwasch etc. angeht. Oder eine Abwaschmaschine.
Bei den Unisachen kommt auch weg, was ich nicht mehr brauchen werde. Im Hinterkopf immer die Frage: Wirst du das noch jemals hervorholen und gibt es bis dann nicht neue Erkenntnisse.
Lerntechnisch bin ich momentan bei: Zusammenfassen, damit ich merke ob ich’s verstehe, Karteikarten schreiben, zum wiederholen. Viele scheinen nur ihre Vorlesungsnotizen und die Folien mehrmals durchzugehen. Leider bleibt bei mir so nicht mehr viel hängen – ich werde wohl schon alt.

Was ich bisher gelernt habe:

  • egal wo du hockst – du hast immer tratschende Studis, die sich in Zimmerlautstärke unterhalten – egal ob der Prof. vorne scheisse, gut oder in Begleitung eines Patienten ist.
  • ProfessorInnen mit guten Skripts haben meist gute Vorlesungen vs. Gegenteil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  • Das Klischee, das manche nur wegen dem Geld studieren, stimmt immer noch.
  • Nur weil jemand Medizin studiert, heisst das nicht, dass er weiss was ein BD von 60/40 heisst.
  • Wer in der Mensa essen will, geht lieber 15 min. früher raus und stört alle, statt zu schwänzen.
  • Wenn ein/e ProfessorIn etwas dreimal sagt, kommt es wahrscheinlich an der Prüfung.
  • Wenn du dir nicht vorstellen kannst, dass sie so ins Detail abfragen – sie tun es!
  • Verstand und Prüfungsresultate korrelieren nicht.
  • Kreationisten können auch von der Embriologie nicht bekehrt werden. Es lebe die kognitive Dissonanz!
  • Medizinstudenten schwänzen Statistik – anders kann ich mir nicht erklären wie sie FüR einen BSc/MSc für Homöopathie sein können.
  • Medizinstudenten motzen wie blöde – immer, über alles, überall. Empathie und Selbstreflexion is nicht!
  • Es gibt für alles eine Ausnahme.