Mein erster Tod

Ich hab schon einiges mitbekommen seit ich im Frühling ’12 mit dem Praktikum angefangen habe. Habe viele Patienten kommen und gehen gesehen, mit und ohne Hoffnung. Aber ich war nie wirklich dabei, wenn es darum ging ein letztes Mal den Körper zu Pflegen, wenn der Mensch schon gestorben ist. Beim letzten Nachtdienst war es dann so weit.
Es war ein chirurgischer Patient, unerwartet, aber doch nicht sehr überraschend mit seinem hohen Alter.
Es ging eine Weile, bis wir wirklich so weit waren, denn die Ärzte mussten den Tod noch bestätigen. Nachdem sie gegangen waren, holten wir zwei neue Leintücher, eine Kinnklemme und dieser Klischee-Zettel für den Zeh. Ich durfte den Venflon (Venenkanüle, meist im Arm) ziehen. Zum Glück konnte ich das auslaufende Blut noch rechtzeitig auffangen, bevor er das frische Leintuch getränkt wurde. Die Diplomierte machte dann noch einen kleinen Druckverband, bevor wir den Patienten dann zudeckten und runter brachten in den Kühlraum. Gleich vor dem Kühlraum mussten wir die Patientin nochmals “umbetten” auf eine Liege aus Stahl, welche einen Abfluss hat. Das geschieht mittels eines Rollbrettes. Auch hier wieder hat man oben und unten ein Leintuch. Es ist ein komisches Gefühl einen Menschen, der ein paar Stunden vorher noch geatmet hat steif, mit Totenflecken, kühl auf dem Metall liegen zu sehen, getrennt nur von einem dünnen Tuch. Während der ganzen Zeit hat die Diplomierte mit dem Patienten geredet, jede Bewegung war vorsichtig, als hätten wir eine normale Körperpflege gemacht.
Das letzte Zudecken war eine Art stilles Abschied nehmen.

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Rabenhirn S. 1-20

Sie seufzte, als sie das Buch zuschlug. Müde packte sie den Rest ihrer Chemie Unterlagen zusammen und stand auf. Als Charlene die hölzerne Flügeltüre der Bibliothek aufstiess, stöhnte sie. Es regnete, und das ziemlich heftig. Aber es hätte sie nicht wundern sollen. So war das Wetter in Edinburgh im Herbst nun mal. Schnell zog sie die Kapuze ihrer Jacke über die Haare und lief los. Noch eine viertel Stunde, bis ihre Schicht begann.

Leicht durchnässt erreichte Charlene das Café, in dem sie ab und zu aushalf. Als sie rein kam, beschlugen ihre Brillengläser. Deshalb stiess sie ihre Hüfte an der Theke, als sie sich an Benjamins Rollstuhl vorbei schob, um ins Büro zu kommen. Dort stellte sie ihre Tasche ab und streckte sich erst mal. Nachdem sie ihre Jacke aufgehängt hatte, zog sie sich ihre Schürze über und nahm ihre Haare so zusammen, dass man ihren Sidecut nicht sah. Ein prüfender Blick in den Spiegel und dann ging sie wieder raus.
„Ben, was kann ich übernehmen?“
„Ich mach noch diese Bestellung fertig, übernimm doch bitte die nächste. Und nochmals danke, dass du einspringen konntest.“
Er lächelte sie dankbar an.
„Keine Ursache“, gab sie zurück, als sie zur Kasse ging. „Aber später musst du mir erzählen, wieso ich hier bin.“
„Charly, da gibt es nichts. Elle ist nur krank geworden, das ist alles. Es steckt nicht immer eine Geschichte hinter allem.“

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Woche 82 – Ärzte und das gesunde Leben

Ich habe diese Woche Sport gemacht. Nicht viel, aber ein Anfang. Gejoggt, insgesammt 1.5h, 10.5km. Irgendwo muss man anfangen. (Und habe sogar das Ziel des Laufplans für Einsteiger erreicht.)
Ich habe diese Woche geweint. Mich mal wieder gefragt, was das alles soll. An Freunde gedacht, die BurnOut, Depressionen oder schlichtweg den Anschiss wegen dem vielen Lernstoff haben.
Ich habe diese Woche einen Lern/Sportplan gemacht  – und bin dem Sporttechnisch fast nachgekommen, lerntechnisch gilt es nächste Woche aufzuholen. Die Keimscheibenbildung scheint einfach nichts so meins zu sein.

Auf gut Deutsch, es läuft nicht ideal, aber es läuft. Ausserdem merke ich wie viel das Studium helfen kann, wenn man es ernst nimmt. Ergo mache ich Sport – und fühle mich besser. Versuche mehr Gemüse zu essen, weniger Fleisch und allg. tierische, fettige Produkte. Lieber lecker Avocado *nomnomnom* Nur das Salz reduzieren wird wohl je meins. Eigentlich krass wie viele MedizinerInnen (bei mir aka: Leute im Gesundheitsbereich) rauchen, saufen, “fastfooden” etc. Jemand erwähnte das habe jemand psychologisch mit Distanzierung erklärt (sry, weiss nicht mehr wer). Finde ich interessant. Bei uns ist auf Station spannend, dass AAs damit anfangen, damit sie ab und zu 5 min. Pause machen können.  Aufhören tun eher Krankenschwestern, meist weil sie schwanger sind/werden wollen. Löblich. Ich hoffe, dass mein Verhalten mit der Zeit auch löblicher wird =).

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Die Wolke aus schwarzen Fragezeichen I

[Disclaimer: Triggerwarnung wäre wohl angebracht und ich nutze das hier jetzt mal um meine Gedanken zu sammeln und zu ordnen.]

Alles “begann” mit einer Aussage von jemandem der mich nicht kennt.
Vor ~1 mnt.

Und jetzt sitz ich hier, still, abwechselnd mit Schnapp-Atmung oder stillen Tränen.
Und ich weiss nicht wieso. Weisses Rauschen, das vor lauter Druck weisses Rauschen in den Ohren wird. Sie pfeiffen. Mir ist schwindelig vor lauter Gedanken die ich nicht fassen kann, nicht mal weiss ob ich sie fassen will, denn ich weiss was ich von der Welt halte. Weil ich weiss, was ich von mir halte und mich sonst Schuldgefühle überrollen. Eine Welle die mich nach unten zieht, mir auf die Brust drückt. Kontrollverlust par excellence quasi.

[to be continued]

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Robert J. Sawyer – Triggers

Bookcover Triggers by Robert J. Sawyer

Bookcover Triggers by Robert J. Sawyer

ISBN: 978-0575129610

Blurb: On the eve of a secret military operation, an assassin’s bullet strikes the US president. He is rushed to the nearest hospital, where a team of surgeons struggle to save his life.

At the same hospital, Prof. Ranjip Singh is experimenting with a device that can erase traumatic memories.

Then a terrorist bomb detonates. In the operating room, the President suffers cardiac arrest. He has a near-death experience – but the memories that flash through his mind are not his own…

The electromagnetic pulse generated by the bomb has amplified and scramblet Prof. Singh’s equipment, allowing a random group of people from within the hospital access to one another’s

minds. And now one of those people can recall the President’s memories – including classified information regarding the upcoming military mission which, if revealed, could cost countless lives.

But the task of determining who has switched memories with whom is a daunting one – particularly as some of the people involved have something deadly to hide…

Valuation: I do love science fiction but I’m not too fond of space science-fiction. That’s why I’ve gone straight for another Robert J. Sawyer book, since I knew I enjoyed his WWW triology. This novel is not too sciency but as in WWW he tells the story from many points of view without making it too unpersonal. The plot sounds a bit trashy on the blurb, but it’s actually very satisfying and refined in the book for my taste. He mentiones some cultural problems and added some philosophical thoughts. The characters were believable as well as their actions. I enjoyed the dynamic of the storyline, the big bang, the dangling nothingness, a slow climb to knowledge and the interesting change of pace. It also helps that the changes are triggered by different people. It is not very sciency though and the end leaves some questions wide open, especially since the world Robert J. Sawyer imagined is probably an adults-only.

Conclusion: Worth the read. Nice brain teaser and interesting social perspectives and experiences, although only mentioned briefly.

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4/5 Rats

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Woche 78 – Haushalt und Uni

Jetzt bin ich schon 78 Wochen an der Uni, allerdings muss ich das erste Jahr wiederholen. Momentan ist ausmisten angesagt, damit ich besser ins nächste Jahr starten kann. Jetzt habe ich noch Zeit. Mein Freund und ich haben schon etliche Müllsäcke gefüllt. Es braucht aber einiges an Disziplin – was ich mir noch aneigne – Sperrmüll zeitnah wegzubringen. Was ich auch noch brauche ist eine bestimmte Routine was Abwasch etc. angeht. Oder eine Abwaschmaschine.
Bei den Unisachen kommt auch weg, was ich nicht mehr brauchen werde. Im Hinterkopf immer die Frage: Wirst du das noch jemals hervorholen und gibt es bis dann nicht neue Erkenntnisse.
Lerntechnisch bin ich momentan bei: Zusammenfassen, damit ich merke ob ich’s verstehe, Karteikarten schreiben, zum wiederholen. Viele scheinen nur ihre Vorlesungsnotizen und die Folien mehrmals durchzugehen. Leider bleibt bei mir so nicht mehr viel hängen – ich werde wohl schon alt.

Was ich bisher gelernt habe:

  • egal wo du hockst – du hast immer tratschende Studis, die sich in Zimmerlautstärke unterhalten – egal ob der Prof. vorne scheisse, gut oder in Begleitung eines Patienten ist.
  • ProfessorInnen mit guten Skripts haben meist gute Vorlesungen vs. Gegenteil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  • Das Klischee, das manche nur wegen dem Geld studieren, stimmt immer noch.
  • Nur weil jemand Medizin studiert, heisst das nicht, dass er weiss was ein BD von 60/40 heisst.
  • Wer in der Mensa essen will, geht lieber 15 min. früher raus und stört alle, statt zu schwänzen.
  • Wenn ein/e ProfessorIn etwas dreimal sagt, kommt es wahrscheinlich an der Prüfung.
  • Wenn du dir nicht vorstellen kannst, dass sie so ins Detail abfragen – sie tun es!
  • Verstand und Prüfungsresultate korrelieren nicht.
  • Kreationisten können auch von der Embriologie nicht bekehrt werden. Es lebe die kognitive Dissonanz!
  • Medizinstudenten schwänzen Statistik – anders kann ich mir nicht erklären wie sie FüR einen BSc/MSc für Homöopathie sein können.
  • Medizinstudenten motzen wie blöde – immer, über alles, überall. Empathie und Selbstreflexion is nicht!
  • Es gibt für alles eine Ausnahme.

John Perkins – Confessions of an economic hitman

Book cover Confessions of an economic hit man

Cover design: Jaya Miceli; Cover photo: David Shutherland;

ISBN-13: 978-0452287082

Klappentext: “Economic hit men,” John Perkins writes, “are highly paid professionals who cheat countries around the globe out of trillions of dollars. Their tools include fraudulent financial reports, rigged elections, payoffs, extortion, sex, and murder. They play a game as old as Empire but one that has taken on terrifying dimensions during this globalization.”
John Perkins should know – as an economic hit man for an international consulting firm, he convinced developing countries to accept enormous loans and to funnel that money to U.S. corporations. The American governement and international aid agencies then request their “pound of flesh”, including access to natural resources, military cooperation, and political support.
Confessions of an Economic Hit Man is the story of one man’s experiences inside the intrigue, greed, corruption, and little-known governement and corporate activities that America has been involved in since World War II, and which have dire consequences for the future of democracy and the world.

Wertung: Introspektive Verarbeitung des eigenen Lebens von John Perkins die einen den Kopf schütteln und gruseln lässt. Man bekommt eine neue Perspektive auf die jüngere Weltgeschichte, die U.S.A. und die eigenen Handlungen.

Meine Meinung dazu: Während meiner Prüfungslernzeit hatte ich sehr oft Lust zu lesen, durfte aber nicht. Also bestellte ich mir einfach neue Bücher. Confessions of an economic hit man war eines davon. Gekauft habe ich es mir, weil die Herren von alternativlos es empfohlen haben. Es bestätigte mir im letzten Kapitel einige meiner Ansichten zu unserem europäischen Luxusleben auf Kosten anderer und erläuterte einige der Gerüchte, welche ich schon öfter gehört habe; die IWF sind nicht im Ansatz das, als was sie wahrgenommen werden wollen. Wenn man ein historisches Sachbuch lesen will, sollte man die Finger davon lassen. Es ist trotz ausgeprägten Fussnoten ein Bekenntnis.
Positiv aufgefallen sind mir die Handlungsvorschläge am Ende, was bei den meisten Enthüllungs-Büchern fehlt. Das Buch las sich angenehm, spannend und mit viel Atmosphäre. Ausserdem kann man es gut als Recherchegrundlage für spannende Themen verwenden. Sehr zu empfehlen, aus dem einfachen Grund, dass man die Motive von raffgierigen Menschen nachvollziehen kann.

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Kinder und Jugendpsychiatrie, eine Schnuppererfahrung

tl;dr: Es gibt zu wenige Jugendpsychiater/psychologen/sozialarbeiter und wenn wir nicht in die Zukunft investieren, kann die Zukunft ziemlich teuer werden.

Bevor die vorlesungsreiche Zeit an der Uni wieder beginnt, habe ich die Chance ergriffen und einen Schnuppertag in einer Jugendpsychiatrie erleben dürfen. Nachdem die SBB mich 2x im Stich gelassen hatte, kam ich doch noch, 10 Minuten verspätet, an. Als erstes durfte ich gleich mit zum ZRM – Zürcher Ressourcen Modell. Dabei geht es darum sich etwas zu wünschen, einen Wunsch an sein eigenes Verhalten. Zuerst formuliert man den Wunsch, danach wird die Idee über Mottos, Logos und Assoziationen bearbeitet um es später in bestimmten Situationen ausprobieren zu können. Nach genug Übung ist es das Ziel es in den schwierigen Situationen anzuwenden und seine Reaktionen zu ändern, erlernte Verhalten also zu “rerouten”. Es war interessant zu beobachten wie kreativ und zielgerichtet die Jugendlichen vorgingen, aber auch schnell wieder abgelenkt wurden oder Grenzen ausprobierten. Ohne besseres Wissen wäre es einem wie eine normale Schulstunde einer Kleingruppe vorgekommen.
Genaueres zu ZRM gibt es HIER.

Nach einem entspannenden Mittagessen unter einem wunderschönen grossen Baum, mit Team und Jugendlichen, ging es dann weiter auf die Station. Ich durfte einer Assistenzärztin mit Therapieausbildung über die Schulter schauen und bei Gesprächen dabei sein. Später erklärte sie mir auch verschiedene Tests und Krankheitsbilder. Eine der Psychologinnen der Station wies auch ganz klar darauf hin, dass es in der Kinder und Jugendpsychiatrie um sehr viel mehr geht, als nur Krankheitsbilder. Klassische psychische Erkrankungen wie in der Erwachsenerpsychiatrie sind selten. Oft sei das Verhalten der Kinder Ausdruck ihrer Umgebung, also eigentlich das Kind als Symptomträger eines defekten Systems. Deshalb hat man als Mitarbeiter einer Jugendpsychiatrie sehr viel mit Pädagogen, Sozialdiensten und Schulen zu tun. Natürlich muss man sich dazu auch gut in den aktuellen Gesetzen und Regelungen auskennen. Die Psychiatrie ist auch sehr attraktiv für ÄrztInnen und PsychologInnen, die sich eine Familie wünschen. Ein Wiedereinstieg auch nach langen Pausen ist oft ohne allzu grossen Aufwand möglich und dadurch, dass man im Team arbeitet ist der Konkurrenzdruck wesentlich kleiner. Dies wirkt sich auf die Arbeitszeiten aus: Überstunden wegen Notfällen sind selten. Besonders KinderpsychologeInnen/psychiaterInnen sind immer noch gesucht, da noch wenige MedizinstudentInnen diesen Weg einschlagen. Er ist aber auf jeden Fall empfehlenswert und wer sich dafür interessiert sollte einfach mal Schnuppern gehen. Man kann nichts verlieren.
Letztendlich sind Kinder unsere Zukunft und jeder Rappen in der Prävention führt zu weniger Sozialausgaben und Krankenkassenkosten für Erwachsene.

Alles in allem eine tolle Erfahrung und ich überlege mir, ob ich einen Teil meiner Unterassistenzzeit (welche in sehr weiter Ferne liegt) vielleicht in einer Kinder und Jugendpsychiatrie absolvieren will. Zukunftsmusik.
Wer mehr erfahren möchte kann sich HIER informieren.

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Glasnudelsalat

@VanadisKocht hat mich zu diesem Post gezwungen. Es tut mir also wirklich leid, dass ich euch mit diesem leckeren Nudelsalat nerven muss…
Guten Appetit!

food

 

Grundsätzlich ist es sehr einfach:
- Glasnudeln (aus Mungobohnen) in heisses Wasser legen.
- Hackfleisch oder Protein deiner Wahl (Räuchertofu anyone?) anbraten und mit Chilipulver, Paprika und evtl. etwas Rosmarin würzen.
- Peperoni (DE: Paprika), rote Zwiebeln und Lauch kleinschneiden, kurz mitbraten
- Sesam darüber, gehackter Peterli und Basilikum dazu, auf die abgetropften Nudeln packen
- SOJASAUCE!!! (und vielleicht noch etwas Chilipulver)

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